Projektwochen sind für mich immer ein Highlight: Schüler*innen arbeiten selbstständig, Themen können vertieft und fächerübergreifend gedacht werden. Aber ohne klares Klassenmanagement verwandelt sich die Projektwoche schnell in Chaos – Gruppenmitglieder sind unklar, Zeitpläne werden missachtet und die Bewertung wirkt willkürlich. Aus meiner langjährigen Erfahrung habe ich praktische Werkzeuge entwickelt, die wirklich funktionieren. In diesem Beitrag teile ich meine erprobten Lösungen zur Rollenverteilung, eine praktikable Timingvorlage und Kontrollinstrumente, die Ihnen den Alltag während einer Projektwoche deutlich erleichtern.

Warum Rollenverteilung so wichtig ist

Meine Erfahrung: Gruppenarbeit scheitert selten am Thema, sondern meist an der Organisation. Eine klare Rollenverteilung verhindert Missverständnisse, erhöht die Eigenverantwortung und fördert gleichzeitig soziale Kompetenzen. Ich setze Rollen bewusst ein, weil sie:

  • die Aufgabenverteilung transparent machen,
  • Verantwortung bei einzelnen Lernenden verankern,
  • Konflikte reduzieren, weil Erwartungen klar sind,
  • Lehrpersonen entlasten, da weniger nachgefragt wird.
  • Wichtig ist: Rollen sollen flexibel und rotierend sein. So erleben alle Schüler*innen verschiedene Aufgabenfelder (Planen, Recherchieren, Präsentieren etc.) und niemand bleibt dauerhaft in einer Rolle, die ihm oder ihr nicht liegt.

    Erprobte Rollen, die bei mir funktionieren

    Ich lege in der Regel folgende Rollen fest – je nach Gruppengrösse kann man Rollen kombinieren oder erweitern:

  • Projektleiter*in: Koordiniert die Gruppe, führt Check-ins, achtet auf Deadlines.
  • Recherche-/Fachverantwortliche: Sammelt Fakten, prüft Quellen und dokumentiert Ergebnisse.
  • Methodenverantwortliche: Wählt geeignete Arbeitsmethoden (Brainstorming, Umfragen, Interviews) und sorgt für Struktur.
  • Material-/Logistikverantwortliche: Organisiert Arbeitsmaterialien, Raumgestaltung und Technik (z. B. Beamer, Tablets).
  • Präsentationsverantwortliche: Erstellt das Endprodukt (Plakat, PowerPoint, Video) und plant die Darstellung.
  • Reflexions-/Qualitätssicherungsbeauftragte: Führt Feedbackrunden, überprüft Kriterienraster und achtet auf die Dokumentation des Lernprozesses.
  • Ich gebe den Rollen klare Aufgabenbeschreibungen als A4-Card (analog) und als digitale Version in Google Docs oder OneNote. Diese Karten enthalten konkrete Checklisten – das reduziert Nachfragen und macht Erwartungen sichtbar.

    Timingvorlage: Tages- und Wochenstruktur

    Eine realistische Zeitplanung ist das Rückgrat jeder Projektwoche. Ich arbeite mit einer leicht anpassbaren Timingvorlage, die Sie für verschiedene Projektlängen nutzen können. Hier ein Beispiel für eine fünftägige Projektwoche (je 6 Schulstunden/Tag):

    Tag Morgen (1–3 Std.) Mittag (4 Std.) Nachmittag (5–6 Std.) Ende/Reflexion
    Tag 1 Kick-off: Thema, Rollenverteilung, Gruppenfindung Recherche & Zieldefinition Aufgabenplanung & Meilensteine setzen Kurzes Stand-up & Tagesprotokoll
    Tag 2 Vertiefte Recherche & Materialbeschaffung Prototypen/Entwürfe erstellen Zwischenpräsentation & Feedbackrunde Aktionspunkte für morgen
    Tag 3 Umsetzung Teil 1 Fachspezifische Arbeit/Experimente Peer-Review & Verbesserungen Reflexionsrunde mit Bewertungscheck
    Tag 4 Umsetzung Teil 2 Feinschliff & Probeläufe Präsentationsvorbereitung Probepräsentationen
    Tag 5 Letzte Überarbeitungen Endpräsentationen & Ausstellung Abschlussreflexion & Bewertung Archivieren der Ergebnisse

    Diese Vorlage passe ich jeweils an Unterrichtszeiten und Raumverfügbarkeit an. Ich plane immer Pufferzeiten (mind. 15–30 Minuten pro Tag) für unerwartete Ereignisse ein. Außerdem organisatorischer Hinweis: Für technische Arbeit nutze ich gerne iPads oder Laptops mit geladenen Geräten und lege eine technische Ansprechperson fest (z. B. eine Schüler*in mit Rolle "IT").

    Kontrollinstrumente, die wirklich helfen

    Kontrolle bedeutet für mich nicht Kontrolle im Sinne von Überwachung, sondern Unterstützung und Transparenz. Folgende Instrumente setze ich ein:

  • Tagesprotokoll / Stand-up-Board: Jede Gruppe führt ein kurzes Protokoll (Was wurde gemacht? Was steht an? Wer ist blockiert?). Ich nutze dafür ein großes Whiteboard im Klassenzimmer und eine digitale Vorlage in Google Sheets.
  • Meilenstein-Checklisten: Vor jeder Präsentation gibt es eine Checkliste mit Muss- und Kann-Kriterien (Inhalt, Quellen, Gestaltung, Zeitrahmen). Diese Checklisten dienen auch als Bewertungsgrundlage.
  • Peer-Feedback-Karten: Kurz, strukturiert und positiv: "2 Sachen, die gefallen; 1 Sache, die verbessern." Das Format lässt sich gut rotieren und sorgt für vielfältiges Feedback.
  • Rubriken / Bewertungsraster: Ich arbeite mit klaren Rubriken (z. B. Inhalt, Methodik, Zusammenarbeit, Reflexion). Diese Rubriken gebe ich vor Projektstart bekannt – so wissen alle, worauf geachtet wird.
  • Stop-&-Go-Signal: Ein einfaches, aber wirksames Tool: Wenn eine Gruppe das "rote Kärtchen" hochhält, komme ich vorbei (Prioritätssystem). So werden Anfragen geordnet abgearbeitet und nicht alle Gruppen rufen gleichzeitig um Hilfe.
  • Praktische Tipps für weniger Stress

  • Setzen Sie auf eine Mischung aus analog und digital: Digitale Dokumentation (z. B. Google Drive) plus analoges Pinnbrett funktioniert oft am besten.
  • Geben Sie feste Check-in-Zeiten (z. B. morgens, mittags, 15 min vor Feierabend). Regelmässigkeit schafft Sicherheit.
  • Trainieren Sie Rollen vorher: Kleine Mini-Projekte oder Stationenarbeit im Unterricht eignen sich gut, um Rollen einmal auszuprobieren.
  • Nutzen Sie Vorlagen: Ich stelle auf unterrichtsideen.ch Vorlagen für Rollenbeschreibungen, Rubriken und Timingvorlagen bereit – das spart Zeit.
  • Sorgen Sie für klare Bewertungsregeln: Transparente Erwartungshaltungen reduzieren Emotionen bei der Präsentation.
  • Wenn Sie möchten, stelle ich Ihnen gern die von mir verwendeten Rollen-Cards und die Timingvorlage als editierbare Google-Docs-Datei zur Verfügung – schreiben Sie mir einfach über das Kontaktformular auf Unterrichtsideen. Im nächsten Beitrag zeige ich, wie man Projektwochen mit heterogenen Lerngruppen differenziert, ohne dass der organisatorische Aufwand überhandnimmt.