Inklusion ist für mich kein Zusatzprogramm, sondern eine Haltung, die sich im Alltag jeder Unterrichtsstunde widerspiegeln muss. Aus meiner Praxis als Lehrerin weiss ich: Kleine, gut überlegte Anpassungen können grosse Wirkung entfalten. Hier teile ich 6 sofort umsetzbare Anpassungen, die Sie in der nächsten Lektion ausprobieren können — praxisnah, flexibel und ohne grossen Vorbereitungsaufwand.
Flexibles Aufgabenformat: mehrere Zugänge anbieten
Eine Aufgabe kann auf unterschiedlichen Wegen gelöst werden. Ich biete Aufgaben häufig in drei Formaten an: visuell (Bild/Graphik), schriftlich (kurzer Text) und auditiv/munter (mündliche Erklärung oder Audioaufnahme). So wählen Schülerinnen und Schüler den Zugang, der ihrem Förderbedarf entspricht.
Konkrete Umsetzung:
Vorteil: Schüler bleiben im Thema, statt durch ein einheitliches Format blockiert zu werden.
Stationen- oder Lerninseln mit klaren Rollen
Stationenarbeit ist ideal für heterogene Lerngruppen. Entscheidend ist, dass jede Station einen klaren Auftrag, ein Zeitlimit und eine Unterstützungsoption hat (z. B. Hilfekarte oder QR-Code zu einer Videoerklärung).
Einfaches Beispiel: Mathe-Stationen zu Brüchen. Station 1: Manipulative (Plättchen). Station 2: Aufgaben mit visuellen Darstellungen. Station 3: Online-Übung (z. B. Lernplattformen wie LearningApps).
Adaptierte Arbeitszeit und Checkpoints
Zeitdruck ist für viele Schülerinnen und Schüler ein echtes Hindernis. Ich arbeite oft mit offenen Deadlines pro Phase und setze kleine Checkpoints, an denen die Lernenden Feedback bekommen.
Praktisch: Auf dem Arbeitsblatt markiere ich die Abschnitte mit Stoppuhr-Icons — das signalisiert klar: "Sie haben Zeit für diesen Teil".
Hilfsmittel sichtbar und zugänglich machen
Kleine Hilfsmittel erleichtern das Lernen enorm. Ich habe in meinem Klassenzimmer immer eine Ecke mit unterstützenden Materialien: Wörterliste, Formelsammlung, Bildwortschatz, Vorlagen für Aufsätze, lineare Hilfen (z. B. Leselineal), Noise-Cancelling-Kopfhörer für laute Situationen.
Tipp: Markieren Sie Hilfsmittel farblich nach Zweck (z. B. grün = Leseförderung, blau = Mathe), damit die Lernenden schnell das passende Material finden.
Differenzierte Lernziele und Bewertungsrubriken
Eine klare Zielstruktur mit unterschiedlichen Anspruchsniveaus hilft bei einer fairen Beurteilung. Ich formuliere für eine Aufgabe drei Lernziele: Basis, Standard und Erweitert. Die Bewertungsrubrik mache ich transparent und bespreche sie mit der Klasse.
So verhindern Sie, dass Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf ständig an denselben, niedrigeren Ansprüchen gemessen werden — sie sehen Entwicklungsmöglichkeiten.
Gezielte Unterstützung durch Peers und differenzierte Instruktion
Peer-Learning ist stark unterschätzt. Inklusion profitiert davon, wenn Lernende gegenseitig unterstützen — nicht als Ersatz für professionelle Förderung, sondern als ergänzendes Element.
Ich plane oft "Quick-Teach"-Momente: Während die Mehrheit selbstständig arbeitet, gebe ich einer kleinen Gruppe gezielte Erklärungen — das braucht wenig Zeit, bringt aber grosse Fortschritte.
Praktische Checkliste für die nächste Stunde
| Vor der Stunde | In der Stunde |
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Wenn Sie diese sechs Anpassungen Schritt für Schritt umsetzen, merken Sie schnell: Inklusion wird handhabbar und trägt zu einem ruhigeren, motivierteren Unterricht bei. Gerne teile ich auf Unterrichtsideen konkrete Arbeitsblätter, Vorlagen für Hilfekarten und Rubriken, die ich im Alltag nutze — schreiben Sie mir, wenn Sie Materialwünsche haben oder eine Vorlage direkt herunterladen möchten.