Digitale Quizformate wie Kahoot! und LearningApps haben in meinem Unterricht schon viele Male für Energie, Motivation und diagnostische Erkenntnisse gesorgt. Wichtig ist für mich jedoch, diese Tools nicht nur als Belohnung oder Zeitfüller einzusetzen, sondern gezielt zur Förderung unterschiedlicher Lernniveaus und zur transparenten Bewertung. In diesem Beitrag teile ich erprobte Ideen für Differenzierungsstufen, konkrete Aufgabenbeispiele und Bewertungsrubriken, die Sie sofort adaptieren können.

Warum gezielt einsetzen?

Oft landen Quizformate in meinem Unterricht als Abschluss-Spiel: schnell, laut, spaßig. Das ist legitim — doch wenn ich nachhaltiges Lernen erzielen möchte, plane ich diese Formate bewusst: zur Leistungsdiagnose, zum Üben in variierenden Schwierigkeitsgraden oder als Station in einem differenzierten Lernzirkel. So nutze ich die intrinsische Motivation der Lernenden, ohne die Lernziele aus den Augen zu verlieren.

Vorüberlegungen vor dem Erstellen

  • Lernziel klar definieren: Was sollen die Schülerinnen und Schüler nach dem Quiz wissen oder können?
  • Differenzierungsbedarf klären: Gibt es heterogene Gruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen?
  • Feedbackformate planen: Sofortiges Feedback in Kahoot vs. reflektiertes Feedback in LearningApps?
  • Datenschutz bedenken: Bei Kahoot und LearningApps in meiner Schule prüfe ich Nutzungsbedingungen und kläre Account-Optionen für Klassen.

Kahoot!-Ideen mit Differenzierungsstufen

Kahoot! lebt vom Tempo und Wettbewerb. Für differenzierte Arbeit verwende ich folgende Varianten:

  • Basis-Quiz (Stufe 1): 10–12 geschlossene Fragen (Multiple Choice), Fokus auf Kernbegriffe und grundlegendes Verständnis. Ideal zur schnellen Standortbestimmung.
  • Vertiefungs-Quiz (Stufe 2): Fragen mit komplexeren Distraktoren, mehrere Antworttypen (z. B. True/False, Umfragen). Hier prüfe ich Anwenden und Erklären.
  • Transfer-Challenge (Stufe 3): Situationsaufgaben mit Bild- oder Textinput, eventuell in Teams gespielt. Ziel ist das Verknüpfen verschiedener Konzepte.
  • Peer-Teaching-Kahoot: Lernende erstellen selbst Fragen für andere — fördert Metakognition und differenziertes Üben.

Praktisch setze ich häufig zwei Kahoots hintereinander ein: Zuerst ein Basis-Quiz für die ganze Klasse, danach parallel zwei Kahoots (Vertiefung und Transfer), zwischen denen die Lernenden je nach Ergebnis wählen können.

LearningApps: Mehr Freiräume für Differenzierung

LearningApps bietet interaktive Bausteine (Zuordnen, Lückentexte, Memory etc.), die sich gut für individualisiertes Lernen eignen. Ich nutze LearningApps, um differenzierte Stationen zu bauen:

  • Station A – Einstieg (Niveau 1): Einfache Zuordnungs-App mit Bild-Unterstützung.
  • Station B – Üben (Niveau 2): Lückentext-App mit mehreren Hilfen (Hinweise, Beispielantwort).
  • Station C – Herausforderung (Niveau 3): Erklär- oder Zuordnungsaufgabe mit anspruchsvollen Texten und Quellenarbeit.

Vorteil: Schülerinnen und Schüler arbeiten im eigenen Tempo, bekommen wiederholbares Feedback und können in der Regel selbst entscheiden, ob sie aufsteigen oder nochmals üben möchten.

Beispiele für differenzierte Aufgaben

  • Sprache (Deutsch/Fremdsprachen): Kahoot zu Wortschatz (Stufe 1), LearningApps Lückentext mit Konjugationshilfen (Stufe 2), LearningApps-Dialogaufgabe zur spontanen Produktion (Stufe 3).
  • Mathematik: Kahoot Grundrechnungen (Stufe 1), LearningApps Zuordnen von Termen und Grafiken (Stufe 2), Kahoot-Anwendungsaufgaben mit Problemstellungen (Stufe 3).
  • Geschichte/Naturwissenschaft: Kahoot Faktenwissen (Stufe 1), LearningApps Reihenfolge-Apps für Ereignisketten (Stufe 2), projektbezogene Transferaufgaben in LearningApps (Stufe 3).

Bewertungsrubriken für digitale Quiz-Formate

Bei digitalen Quizzes messe ich nicht nur richtige Antworten, sondern auch Prozess- und Reflexionskompetenzen. Hier eine einfache Rubrik, die ich intern verwende und leicht anpassen kann:

Kriterium Stufe 1 (Basis) Stufe 2 (Sicher) Stufe 3 (Kompetent)
Richtigkeit der Antworten 50–69% korrekt 70–89% korrekt 90–100% korrekt
Fehleranalyse / Reflexion Kaum oder keine Reflexion der Fehler Beschränktes Erkennen von Fehlerursachen Konkrete Strategien zur Fehlerkorrektur angegeben
Selbstregulation (Wahl der Niveaus) Bleibt auf niedrigem Niveau ohne Ausprobieren Probiert höhere Aufgaben mit Unterstützung Wählt herausfordernde Aufgaben und sucht Feedback
Kooperation / Peer-Feedback Unstrukturierte oder seltene Beiträge Gute Rückmeldungen an Peers Aktive und konstruktive Peer-Unterstützung

Feedback-Formate und Dokumentation

Ich kombiniere automatisiertes Feedback (instant in Kahoot & LearningApps) mit kurzen schriftlichen oder mündlichen Reflexionsaufträgen:

  • Nach jedem Kahoot schreibe ich 2 Minuten Reflexion: Was war leicht? Was war schwer? Eine Stolperfalle?
  • In LearningApps können Lernende Screenshots ihrer Ergebnisse machen und in ein Lerntagebuch einfügen.
  • Für summative Zwecke übertrage ich relevante Ergebnisse in ein Bewertungs-Spreadsheet — mit Kommentarspalten zu Lernfortschritt und Förderbedarf.

Tipps für die Praxis

  • Verwende Kahoot für zeitgesteuerte Abfragen, aber reduziere Zeitlimits bei differenzierten Gruppen, damit das Tempo nicht den Lernerfolg überlagert.
  • In LearningApps biete ich Hilfestellungen an (z. B. "Hinweis ansehen"-Button) und messe, wie oft Hilfe genutzt wurde — das ist ein guter Indikator für Förderbedarf.
  • Lasse Lernende selbst Fragen erstellen — das erhöht Tiefenverarbeitung und liefert wertvolle Einblicke in Verständnislücken.
  • Nutze Team-Modus in Kahoot, um schwächere Lernende zu stärken und Peer-Erklärungen zu fördern.
  • Beachte Barrierefreiheit: Bilder mit Alternativtext und sprachliche Vereinfachung bei Bedarf.

Praxisbeispiel aus meinem Unterricht

Vor kurzem habe ich eine Einheit zur Textanalyse so gestaltet: Zuerst ein Kahoot mit Basisfragen (Kernbegriffe, Textaufbau). Anschliessend drei LearningApps-Stationen: Wortschatz, Analyse von rhetorischen Mitteln und Syntheseaufgabe. Die Lernenden konnten selbst wählen, welche Station sie bearbeiteten. Am Ende füllte jede Person die Rubrik "Fehleranalyse / Reflexion" aus. Die Kombination aus Tempo, interaktiven Übungen und strukturierter Reflexion führte zu deutlich besseren Transferleistungen in nachfolgenden Schreibenaufgaben.

Wenn Sie möchten, sende ich Ihnen gern eine Vorlage für eine Rubrik im Excel-Format oder ein Beispiel-Kahoot, das Sie direkt importieren können. Teilen Sie mir auch Ihre Fachrichtung mit — ich habe fertige LearningApps-Vorlagen für verschiedene Fächer, die ich mit Vergnügen anpasse.