Ich zeige dir, wie du mit Padlet eine einfache, flexible und schülerzentrierte Portfolio‑Plattform aufbaust, die kompetenzorientiertes Feedback wirklich unterstützt. Aus meiner Praxis: Padlet ist schnell einzurichten, intuitiv für Lernende jeden Alters und lässt sich gut mit Bewertungsrastern kombinieren. In diesem Artikel beschreibe ich Schritt für Schritt meinen Ablauf, nenne konkrete Einstellungen und gebe Tipps zur Differenzierung und Datensicherheit.

Warum Padlet für Portfolios?

Ich nutze Padlet, weil es visuell, niedrigschwellig und vielseitig ist. Schüler*innen können Texte, Bilder, Audio‑ und Videodateien, Links und Dokumente hochladen — alles auf einer Wand oder in einer strukturierten Sammlung. Für kompetenzorientiertes Feedback ist das nützlich, weil du Arbeiten direkt neben den Lernbeitrag platzieren, kommentieren und Versionsstände sichtbar machen kannst. Außerdem lässt sich Padlet gut in den Unterricht integrieren, z. B. auf dem Beamer, in Microsoft Teams oder Google Classroom.

Vorbereitung: Ziele und Struktur festlegen

Bevor ich ein Padlet erstelle, definiere ich klar, welche Kompetenzen dokumentiert werden sollen und welche Arten von Belegen die Lernenden sammeln sollen. Beispiele:

  • Fachkompetenz: Problemstellungen lösen, korrektes Fachwissen anwenden.
  • Methodenkompetenz: Recherche, Präsentationstechniken, Medienauswahl.
  • Sozialkompetenz: Zusammenarbeit, Feedback geben.
  • Je nach Ziel wähle ich eine Struktur: Eine einzelne Padlet‑Wand pro Klasse mit Spalten pro Kompetenz, eine Padlet‑Sammlung mit einem Padlet pro Schülerin/Schüler oder ein Padlet pro Thema/Projekt.

    Padlet einrichten: meine bevorzugten Einstellungen

    Ich erstelle meistens eine Padlet‑Sammlung mit einem Padlet pro Lernenden, weil so Privatsphäre und individuelle Lernwege besser unterstützt werden. Wenn du mit jüngeren Klassen arbeitest oder kollaborative Portfolios willst, ist eine gemeinsame Wand mit Spalten sinnvoll.

    Wichtige Einstellungen, die ich vornehme:

  • Privatsphäre: Auf "Nur Lehrer und eingeladene Personen" stellen oder über Klassenlinks mit Passwortzugang arbeiten.
  • Layout: "Regal" oder "Spalten" für Kompetenzbereiche, "Canvas" für freie Darstellung, "Stream" für chronologische Dokumentation.
  • Beitragsoptionen: Erlaube Multimedia, setze Dateigrößenlimit sinnvoll (z. B. 50–100 MB), aktiviere Kommentare und Reaktionen.
  • Moderation: Beiträge moderieren lassen, wenn du eine Kontrollinstanz brauchst.
  • Beispielaufbau: Padlet als Kompetenzportfolio

    So baue ich ein Padlet für kompetenzorientiertes Feedback auf — angenommenes Fach: Deutsch, Kompetenzschwerpunkt: Schreiben.

  • Spalte 1: "Arbeitsproben" — hier legen Schüler*innen ihre Texte als PDF oder Link ab (Entwurf, Überarbeitung, Finalversion).
  • Spalte 2: "Selbsteinschätzung" — kurze Reflexionen zum Lernstand (3–5 Sätze) oder ein Voice‑Recording.
  • Spalte 3: "Feedback" — hier kommentiere ich als Lehrperson, Mitschüler*innen geben Peer‑Feedback.
  • Spalte 4: "Ziele & nächste Schritte" — konkrete, kompetenzorientierte Lernziele für die nächste Phase.
  • Feedbackprozesse gestalten

    Kompetenzorientiertes Feedback lebt von Klarheit, Bezug zu Kriterien und konkreten nächsten Schritten. Meine Routine:

  • Ich hinterlege auf dem Padlet ein Bewertungsraster (Rubrik) als Bild oder PDF. So wissen Lernende, worauf Feedback abzielt.
  • Ich kommentiere konkret: Was gut ist (Kompetenzbezug nennen), was fehlt und ein nächster kleiner Schritt.
  • Ich nutze die Kommentar‑Funktion für Rückfragen und markiere Fortschritte mit Emojis oder farbigen Labels.
  • Für Peer‑Feedback stelle ich Leitfragen bereit: "Was ist gelungen? Nenne ein Beispiel." / "Welche eine Sache könntest du verbessern?" / "Welcher Tipp hilft dir als Nächstes?"
  • Rubrik‑Beispiel

    KriteriumErwartung (Kompetenzniveau)Feedbackhinweis
    StrukturLogischer Aufbau mit Einleitung, Hauptteil, SchlussBenutze Absätze, füge einen klaren Schlusssatz ein
    SprachstilAngemessene Wortwahl, wenig WiederholungenSynonyme verwenden, Satzlängen variieren
    ArgumentationBehauptungen belegt und nachvollziehbarBelege zitieren, Beispiel hinzufügen

    Versionierung und Lernfortschritt sichtbar machen

    Ich bitte Schüler*innen, mehrere Versionen hochzuladen (Entwurf, Überarbeitung, Endfassung). So wird die Entwicklung sichtbar. Zusätzlich nutze ich Labels oder Hashtags (z. B. #Entwurf #Überarbeitet #Final), damit man schnell filtert.

    Wenn Zeit ist, leite ich eine kurze Konferenz: Schülerin/Schüler präsentiert die Entwicklung und erklärt, welche Rückmeldungen sie umgesetzt haben. Das stärkt metakognitive Kompetenzen.

    Bewertung und Fairness

    Für die summative Bewertung kombiniere ich die Rubrik mit Evidenz aus dem Padlet (z. B. Finalversion + Reflexion). So ist die Bewertung nachvollziehbar. Tipp: Teile die Bewertungsrubrik vor Beginn des Projekts, damit die Lernenden wissen, worauf es ankommt.

    Differenzierung und Unterstützung

    Padlet erlaubt einfache Differenzierung:

  • Für schwächere Lernende: Vorlagen bereitstellen (Textrahmen, Checkliste), gescannte Beispieltexte oder Audiovorlagen hochladen.
  • Für stärkere Lernende: Ergänzende Aufgaben (Vertiefung, Transferaufgaben) als Link oder Datei bereitstellen.
  • Förderung von Selbstständigkeit: Checklisten und Peer‑Feedback‑Rollen (z. B. Moderator, Formulierer, Korrektor) zuweisen.
  • Datenschutz und Schulrichtlinien

    Bevor ich Padlet einsetze, kläre ich mit der Schulleitung die Datenschutzbestimmungen. In der Schweiz prüfe ich, ob Padlet‑Server in Ordnung sind oder ob eine kostenpflichtige, edu‑konforme Variante nötig ist. Praktische Hinweise:

  • Persönliche Daten minimieren (keine vollständigen Geburtsdaten, etc.).
  • Wenn Schülerfotos oder Videos hochgeladen werden, hole ich Einverständniserklärungen der Erziehungsberechtigten ein.
  • Nutze Passwortschutz und nur eingeladene Nutzer*innen, wenn es sensible Inhalte gibt.
  • Technische Tipps und Alltagshilfen

    So vermeide ich Stolpersteine im Unterricht:

  • Mache zu Beginn eine kurze Padlet‑Einführung: Beitrag erstellen, Datei hochladen, Kommentar schreiben.
  • Nutze QR‑Codes für schnellen Zugang — besonders hilfreich für Tablets oder Smartphones.
  • Lege eine klare Abgabefrist in Padlet fest und erinnere per Nachricht oder Ankündigung.
  • Exportieren: Du kannst Padlets als PDF oder CSV exportieren — praktisch für Zeugnisdossiers.
  • Beispiele aus dem Unterricht

    In meiner Klasse habe ich Padlet für ein Projekt "Schülerzeitung" eingesetzt: Jede Gruppe hatte ein eigenes Padlet mit Rohtexten, Fotos und Feedback von Redaktionsteams. Durch die Spalten "Entwurf", "Review", "Final" war die Entwicklung transparent und die Endprodukte deutlich verbessert.

    Ein anderes Beispiel: Portfolios zur Kompetenzentwicklung in Mathematik. Schüler*innen luden kurze Videos hoch, in denen sie Lösungsstrategien erklärten. Ich gab schriftliches Feedback zur Fachsprache und zur Lösungsstrategie — oft reichten kleine Hinweise, damit die nächste Version substantielle Fortschritte zeigte.

    Wenn du möchtest, sende ich dir gern eine Padlet‑Vorlage (als PDF mit Strukturvorschlag) oder Screenshots meiner Rubriken — sag mir kurz, für welche Stufe oder welches Fach du es brauchst.