In dieser Woche habe ich mit meiner Klasse ein digitales Portfolio auf Padlet umgesetzt — kompakt, praxisorientiert und mit sofort einsetzbaren Bewertungsrubriken und Vorlagen. Ich teile hier meinen Schritt-für-Schritt-Plan, die Rubriken, die ich genutzt habe, sowie konkrete Vorlagen und Tipps, damit Sie das Projekt in Ihrer Klasse innerhalb einer Woche durchführen können.

Warum Padlet als Portfolio-Tool?

Padlet ist für mich ein ideales Werkzeug: intuitiv, visuell, flexibel und gut geeignet für heterogene Lerngruppen. Schülerinnen und Schüler können Texte, Bilder, Audio- und Videodateien sowie Links sammeln. Für Lehrpersonen ist die Verwaltung einfach — Zugriffsrechte, Moderation und Exportfunktionen sind vorhanden. Wichtig: Ich achte darauf, datenschutzrechtliche Einstellungen (Privatsphäre, Linkzugriff) vorab zu prüfen.

Organisation der Woche — Überblick

Die Woche ist in fünf Sequenzen gegliedert, die sich gut in jeweils 45–60 Minuten integrieren lassen. Ziel ist ein aussagekräftiges Portfolio mit Reflexion, Nachweisen von Lernfortschritt und einer Selbsteinschätzung.

  • Tag 1: Einführung & Setup
  • Tag 2: Inhalte sammeln — Lernprodukte erstellen
  • Tag 3: Strukturieren & Curating
  • Tag 4: Reflexion & Feedback
  • Tag 5: Bewertung & Präsentation
  • Tag 1 — Einführung und Setup

    Ich beginne mit einer kurzen Demonstration: Ich zeige ein Beispiel-Portfolio auf Padlet, erkläre die möglichen Beitragstypen und stelle die Wochenziele vor. Dann richte ich gemeinsam mit den Lernenden das Padlet ein:

  • Padlet-Typ wählen: Board oder Canvas für freie Anordnung, Stream für chronologische Einträge.
  • Zugriffsrechte: Link nur für Klasse, Moderation aktiviert (Beiträge müssen ggf. freigeschaltet werden).
  • Strukturvorlage anlegen: Spalten/Abschnitte für Produkte, Prozess, Reflexion, Belege.
  • Ich lasse die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Bereich (eigenes Padlet oder eigene Spalte) benennen und ein Profilbild hinzufügen — das schafft Identifikation.

    Tag 2 — Inhalte sammeln: Lernprodukte erstellen

    Heute sollen die Lernenden konkrete Produkte hochladen. Ich gebe klare Aufgaben und Beispiele, z. B. eine kurze Zusammenfassung eines Themas, ein erklärendes Video, eine Skizze oder ein Arbeitsblatt mit Lösungsansätzen. Ich arbeite mit Checklisten, damit die Einträge ein Mindestniveau erreichen.

  • Beitragstypen erlauben: Bild, Video, Link, PDF, Audio, Text.
  • Aufgabenbeispiele: Eine A4-Zusammenfassung, 90-Sekunden-Erklärvideo, Fehleranalyse mit Lösung.
  • Wichtig: Ich fordere eine kurze Beschreibung zu jedem Eintrag (Was ist das? Warum ist es wichtig?) — das fördert metakognitives Denken.

    Tag 3 — Strukturieren & Curating

    Am dritten Tag ordnen die Lernenden ihre Beiträge, ergänzen fehlende Belege und wählen ihre besten Artefakte aus. Ich zeige, wie man Beiträge umbenennt, Schlagworte hinzufügt und Beiträge kommentiert.

  • Kriterien zur Auswahl: Relevanz, Qualität, Lernfortschritt, Vielfalt der Formate.
  • Aufgabe: Jede/r wählt 3 Hauptbeiträge und 2 Prozessbeiträge (z. B. Entwürfe) aus.
  • Ich nutze diese Phase auch, um Peer-Feedback in Kleingruppen einzuleiten: Lernende geben sich konstruktive Hinweise nach einem einfachen Feedback-Schema (Positiv – Verbesserung – Frage).

    Tag 4 — Reflexion & Feedback

    Reflexion ist zentral. Ich stelle Reflexionsfragen bereit und lasse die Lernenden eine Selbsteinschätzung schreiben. Anschließend gebe ich individuelles Feedback und die Klasse führt Peer-Feedback durch.

  • Reflexionsfragen (Beispiele):
  • Was war mein größter Lernfortschritt?
  • Welche Strategie hat mir geholfen?
  • Was nehme ich mir für das nächste Thema vor?
  • Ich lasse die Schülerinnen und Schüler die Reflexion in einem Textfeld oder als Audio aufnehmen — unterschiedliche Ausdrucksformen stärken die Barrierefreiheit.

    Tag 5 — Bewertung, Präsentation und Export

    Zum Abschluss präsentieren Lernende ihre Portfolios in Kurzvorträgen oder per Lerngang durch das Padlet. Für die Bewertung verwende ich eine klare Rubrik, die ich zuvor geteilt habe.

    KriteriumBeschreibungPunkte (0–4)
    Inhaltliche QualitätVerständlichkeit, Korrektheit, Tiefe der Beiträge0–4
    Vielfalt der FormateMind. 3 Formate (Text, Bild, Video/Audio, Datei)0–4
    ReflexionTiefe der Selbsteinschätzung und Lernziele0–4
    PräsentationStrukturierter Kurzvortrag oder geführte Padlet-Tour0–4
    Organisation & PflegeÜbersichtlichkeit, Beschriftungen, Schlagworte0–4

    Diese Rubrik nutze ich sowohl für die formative Rückmeldung als auch zur summativen Beurteilung. Ich teile die Rubrik im Padlet als PDF oder als Beitrag, sodass alle transparent wissen, worauf geachtet wird.

    Vorlagen & Textbausteine

    Ich stelle den Lernenden konkrete Vorlagen zur Verfügung, damit sie nicht bei Null anfangen müssen. Hier einige Vorlagen, die ich hochlade:

  • Einfaches Reflexionsformular (3 Fragen + Checkliste)
  • Vorlage für ein 90-Sekunden-Video-Skript (Einstieg – Hauptpunkt – Schluss)
  • Checkliste für Beitragqualität (Ziel, Beleg, Quellenangabe, Dateiformat)
  • Peer-Feedback-Formular (2 Stärken, 1 Tipp, 1 Frage)
  • Technische und didaktische Tipps aus der Praxis

    Einige Dinge, die sich bei mir bewährt haben:

  • Datenschutz: Padlet auf Privat oder Nur mit Link einstellen und das Teilen nach Außen kontrollieren.
  • Barrierefreiheit: Alternativtexte für Bilder verlangen; Audio-Optionen zulassen.
  • Klare Deadlines: Ein Zeitplan reduziert Stress und verhindert das Nachreichen in letzter Minute.
  • Scaffolding: Für schwächere Lernende vordefinierte Felder bereitstellen (z. B. „Titel, Kurzbeschreibung, Lernziel“).
  • Backup: Exportieren Sie Padlet als PDF/CSV, falls Sie Materialien extern sichern möchten.
  • Differenzierung und individuelle Förderung

    Ich nutze das Portfolio, um individuelle Lernwege sichtbar zu machen. Differenzierung gelingt durch:

  • Variable Aufgabenaufträge (Basis-, Erweiterungs- und Vertiefungsaufgaben)
  • Freie Wahl des Präsentationsformats (Text, Audio, Video, Comic)
  • Personalisierte Lernziele, die in der Reflexion dokumentiert werden
  • So können leistungsschwächere Schüler erreichbarere Ziele setzen, während stärkere Lernende tiefer arbeiten oder zusätzliche Belege liefern.

    Häufig gestellte Fragen

    Was mache ich, wenn Padlet gesperrt ist? — Ich habe immer eine analoge Alternative: Lernportfolios in Mappen oder ein geteiltes Google-Slide-Deck als Backup.

    Wie lange dauern Upload/Technik? — Plane am Anfang Zeit ein, um Konten und Zugriffsrechte zu klären; später geht alles schneller.

    Wie bewerte ich Kreativität? — Verwende eine separate Kategorie in der Rubrik oder eine qualitative Begründung in deinem Feedback.

    Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen gern meine Vorlagen (Reflexionsbogen, Video-Skript, Checkliste) im Word-/PDF-Format zum direkten Einsatz. Schreiben Sie mir einfach eine Nachricht — gemeinsam lassen sich die Materialien an Ihre Schulstufe anpassen.