Als Lehrerin, die seit Jahren mit heterogenen Klassen arbeitet, weiss ich: Differenzierung gelingt am besten, wenn Planung pragmatisch und zeitsparend ist. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du in nur 30 Minuten einen individuellen Lernplan für drei Niveaus (Basis, Standard, Erweitert) erstellst, den du sofort im Unterricht einsetzen kannst. Ich beschreibe einen klaren Ablauf, gebe konkrete Formulierungen und ein nutzbares Template, das du kopieren und anpassen kannst.

Warum ein 30-Minuten-Lernplan?

Viele Lehrpersonen bleiben bei Differenzierung hängen, weil sie den Zeitaufwand unterschätzen. Mir hilft eine klare Struktur: Wenn ich weiss, welche Schritte ich in 5, 10 oder 15 Minuten erledige, bleibt Differenzierung machbar. Der 30-Minuten-Plan ist kein Ersatz für langfristige Förderplanung, aber ideal für den täglichen oder wöchentlichen Einsatz—vor allem, wenn du drei klare Niveaus anbieten möchtest.

Materialien, die du bereitstellen solltest

  • Stundenplanung/Lehrplan als Bezug (Lernziel)
  • Kurze Diagnostik-Ergebnisse oder Beobachtungsnotizen
  • Arbeitsblätter/Übungen in drei Varianten (oder Platz für Aufgabenbeschreibungen)
  • Timer oder Smartphone
  • Ein einfaches Template (siehe Tabelle weiter unten)
  • Der 30-Minuten-Ablauf

    Ich unterteile die 30 Minuten in fünf klar definierte Phasen. Stell dir einen Timer und arbeite fokussiert durch jede Phase.

  • Minute 0–5: Lernziel und Kernaufgabe festlegen
  • Formuliere das zentrale Lernziel in einem einfachen Satz. Beispiel: „Die SuS können den Textinhalt zusammenfassen und drei Hauptinformationen nennen.“ Notiere die Kernaufgabe, die alle bearbeiten werden (z. B. einen kurzen Text lesen und eine Zusammenfassung schreiben).

  • Minute 5–12: Niveaus und Erfolgskriterien definieren
  • Lege drei Niveaus fest und formuliere pro Niveau 1–2 messbare Erfolgskriterien. Ich nutze oft diese Einteilung:

  • Basis: Grundlegende Fertigkeiten – sicherheitsorientiert
  • Standard: Erwartetes Niveau – selbstständiges Arbeiten
  • Erweitert: Vertiefung/Transfer – herausfordernd
  • Beispiel Erfolgskriterien für das Zusammenfassen:

  • Basis: Inhalte in 3–4 Sätzen wiedergeben, Hauptperson und Handlung nennen
  • Standard: Inhalt in 5–7 Sätzen zusammenfassen, wichtigste Details korrekt
  • Erweitert: Zusammenfassung + eine eigene Frage oder kritische Bemerkung zum Text
  • Minute 12–18: Aufgaben für die drei Niveaus formulieren
  • Jetzt formulierst du konkrete Aufgaben, die zu den Erfolgskriterien passen. Halte die Anweisungen kurz und eindeutig. Beispiele für denselben Text:

  • Basis: „Lies den Text. Schreibe in 3–4 Sätzen, worum es geht.“
  • Standard: „Lies den Text. Schreibe eine 5–7 Sätze lange Zusammenfassung und markiere zwei wichtige Textstellen.“
  • Erweitert: „Lies den Text. Schreibe eine Zusammenfassung (5–7 Sätze) und verfasse eine Anschlussfrage oder einen kurzen Kommentar (2–3 Sätze).“
  • Minute 18–24: Unterstützung und Differenzierungsangebote planen
  • Überlege, welche Hilfen du anbieten willst. Praktische und schnelle Optionen:

  • Scaffolding-Karten mit Satzanfängen
  • Vokabelliste oder Glossar
  • Erklärvideo oder Lesehilfe (z. B. Abschnitte markieren)
  • Peer-Support-Regel: „A arbeitet mit B, C hilft D“
  • Notiere, welche SuS welche Unterstützung benötigen—das kann eine kurze Beobachtungsnotiz sein.

  • Minute 24–30: Zeitplanung, Erfolgskontrolle und Eintrag ins Template
  • Lege ablaufzeitliche Vorgaben für die SuS fest (z. B. 20 Minuten Lese- und Schreibzeit, 5 Minuten Peer-Feedback). Entscheide, wie du die Ergebnisse überprüfst: Sammeln, kurze Checkliste zur Selbstkontrolle, Peer-Feedback oder gezielte Lehrpersonenkonferenz mit 3 SuS. Trag nun alles ins Template ein (siehe Tabelle).

    Praktisches Template (kopierbar)

    Element Inhalt (Beispiel)
    Lernziel Die SuS können den Textinhalt zusammenfassen und drei Hauptinformationen nennen.
    Kernaufgabe Text lesen + Zusammenfassung schreiben.
    Basis Aufgabe: 3–4 Sätze Zusammenfassung. Erfolgskriterium: Hauptperson und Handlung genannt.
    Standard Aufgabe: 5–7 Sätze Zusammenfassung + 2 markierte Textstellen. Erfolgskriterium: wichtigste Details korrekt.
    Erweitert Aufgabe: Zusammenfassung + 2–3 Sätze Kommentar oder Frage. Erfolgskriterium: eigene Kritik oder Perspektive vorhanden.
    Hilfen Satzanfänge-Karten, Glossar, Markierungshilfe, Peer-Support.
    Zeit Lesen: 8 min, Schreiben: 12 min, Peer/Feedback: 5 min
    Erfolgskontrolle Selbst-Checkliste + 3 Stichproben durch Lehrperson

    Tipps aus meiner Praxis

  • Beginne mit bekannten Aufgaben: Wenn die SuS die Textart oder Aufgabe schon kennen, brauchst du weniger Instruktion.
  • Nutze visuelle Hinweise: Farbige Karten für die Niveaus (z. B. grün, gelb, rot) helfen SuS bei der schnellen Auswahl.
  • Setze digitale Tools gezielt ein: Ein kurzes Quiz in LearningApps oder ein Google-Formular eignet sich zur schnellen Erfolgskontrolle.
  • Arbeite mit Peer-Feedback: Das entlastet dich und fördert zugleich metakognitive Kompetenzen.
  • Dokumentiere kurz: 1–2 Stichworte zu Schwierigkeiten helfen bei der nächsten Planung.
  • Beispiel aus dem Unterricht

    Letzte Woche habe ich die Methode mit einer 5. Klasse getestet. Thema: „Lebensraum Wald“ (Sachunterricht). Lernziel: Hauptfakten zum Ökosystem benennen können. Ich habe ein kurzes Lesedossier sowie drei Aufgabenlevel vorbereitet. Ergebnis: Die SuS auf Standard waren nach 15 Minuten fertig und konnten einander helfen; die Basis-Gruppe nutzte die Satzanfänge-Karten intensiv; die Erweitert-Gruppe erstellte eine Mindmap und eine kurze Präsentation. Ich habe in der Folge drei SuS gezielt kurz konfrontiert (Lehrpersonenkonferenz) – das reichte für mich zur Diagnose.

    Häufige Fragen

  • Was, wenn SuS ihr Niveau falsch wählen? Dann lasse sie nach 5–10 Minuten Wechseln oder biete eine kurze Checkfrage an: „Fühlt sich die Aufgabe zu schwer oder zu einfach an?“
  • Wie kontrolliere ich die Arbeit rasch? Nutze Stichproben, Peer-Checks und eine einfache 3-Punkte-Checkliste (Kernaussage vorhanden / wichtige Details / eigene Perspektive bei Erweitert).
  • Kann man mehr als drei Niveaus anbieten? Ja, aber für den täglichen Einsatz sind drei Niveaus ein guter Kompromiss zwischen Differenzierung und Machbarkeit.
  • Wenn du möchtest, kann ich dir das Template als Word- oder Google-Doc-Vorlage vorbereiten oder konkrete Satzanfänge-Karten formulieren—sag mir einfach, für welches Fach und welche Stufe du das brauchst. Ich teile gern auch Beispielblätter, die sich direkt kopieren lassen.